

Die Spieleindustrie befindet sich im Wandel. Parallel zu den stark wachsenden Sozialen Netzwerken im Internet sucht auch diese Branche nach Möglichkeiten, ihren Kundenstamm zu erweitern und stärker an sich zu binden. Längst ist ein Spiel nicht mehr nur eine Daten-CD, die man in Konsole oder Rechner einschiebt, ein Stündchen für sich alleine zockt und wieder zum Alltag zurückkehrt. Nein, erfolgreiche Spiele haben heutzutage vor allem eines gemeinsam: eine große und lebendige Community. Diese zu beherrschen und an sich zu binden ist der Traum eines jeden Publishers, verspricht es doch angepasstes Marketing und Kommunikation direkt am Puls der Kundschaft, von zusätzlichem Profit aus DLC's ganz zu schweigen. Das altehrwürdige battle.net und sein jüngster Spross, das IW.net, sind die Pioniere dieser neuen Systeme, die den Zocker nicht nur binden, sondern auch dessen Anonymität im Netzwerk aufheben können. Schon lange ist ein Nickname nicht mehr nur irgendein Pseudonym unter vielen, sondern mit zahlreichen echten Daten verbunden und jederzeit auffindbar. Die Gefahr des Missbrauchs solcher Sammlungen ist groß, die Gefahr von seltsamen Ideen der "Herrscher über die Daten" aber offenbar noch größer. So hatte Publisher Blizzard vor kurzem angekündigt, dass die User der offiziellen WoW und Starcraft 2 Foren demnächst nicht mehr mit Nicknamen, sondern ausschließlich mit ihrer offiziellen Master-ID posten dürfen, mit der sie im battle.net angemeldet sind: ihrem realen Namen. Da dieses Netzwerk für Spiele wie WoW eine monatliche Gebühr kostet, sind Fake-Accounts eher selten anzutreffen, die meisten User dürften mit ihrem tatsächlichen Vor- und Zunamen vertreten sein. Der Publisher versprach sich hiervon einen respektvolleren Umgang miteinander, es sollte die Foren zu einem schöneren Platz für alle machen. Die nachfolgende Protestwelle der User war denkbar gewaltig; beeindruckend führte man einem Blizzard-Mitarbeiter vor, wie schnell man über seinen Namen an Telefon-Nummer, Adresse, Alter, Namen von Familienmitgliedern, seine Facebook-Seite sowie Lieblingsfilme und -musik kommen konnte. Nein, die Community war „not amused“. Blizzard zog die Handbremse und verwarf seine Idee für die Foren, hält aber weiterhin am neuen Konzept Real-ID fest, mit dem Ingame-Accounts nicht nur mit Facebook verknüpft, sondern auch viele weitere privaten Daten der Zocker dank der Einbindung von sozialen Netzwerken gesammelt werden können. Jeder, der sich im Blizzard-Netz einwählen will, muss echte Angaben machen. Dies öffnet Missbrauch und seltsamen Ideen Tür und Tor, auch wenn der User noch die Wahl hat, ob er anonym bleiben oder mit sämtlichen privaten Details am Dorfbrunnen der Welt tratschen will. Was Blizzard auch immer daraus macht, dürfte spannend werden. Einen ersten Vorgeschmack was möglich wäre haben sie mit ihrer Forenaktion bereits geliefert. Doch wer nun glaubt, von solchen Entwicklungen wären nur MMO-Zocker betroffen, sollte daran denken welch Vision Bobby Kotick erst kürzlich ereilt hatte... er wünschte sich eine Call of Duty Online Welt. Und deren Umsetzung mit allen Konsequenzen dürften wir CoD-Spieler früher spüren als uns lieb ist. Auch der Egoshooter-Zocker ist dank Steam, IW.net & Co. bereits so gut wie durchsichtig. Und wer will schon einen zornigen Mitspieler mit der Axt in der Faust vor der Haustür haben, nur weil er glaubt man habe gecheatet?
Quelle: blackmonkeys.de
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